Kommentar

Warum Kooperation mehr bewirkt als Konfrontation

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Die öffentliche Diskussion über international tätige Unternehmen und ihre Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft ist geprägt von einer gegensätzlichen Weltanschauung. Die einen verurteilen die Unternehmen als «Unheilsbringer», die Ressourcen und Gewinne zum Nachteil der einheimischen Wirtschaft abtragen. Die anderen sehen sie als Treiber des Fortschritts und Schlüssel zu wirtschaftlicher Prosperität. Die empirische Forschung zeigt, dass multinationale Unternehmen unter bestimmten Bedingungen einen positiven Nettoeffekt auf die gesellschaftliche Entwicklung haben. Entscheidend dafür ist, dass sie in die lokale Wirtschaft eingebettet sind und verantwortungsbewusst mit lokalen Interessengruppen zusammenarbeiten. Internationale Unternehmen können auf diese Weise Sozialkapital aufbauen und zu einem nachhaltigen und inklusiven Wachstum beitragen – ein wichtiger Pfeiler der UNO-Ziele für nachhaltige Entwicklung.

Mit einem progressiven CSR-Ansatz, der die Einbettung in die lokalen Strukturen als Schlüsselfaktor anerkennt, können multinationale Unternehmen die Dynamisierung der traditionellen Wirtschaftssysteme entscheidend vorantreiben. Dafür braucht es aber Investitionen vor Ort und einen nachhaltigen Wissenstransfer. Das können zum Beispiel Aus-der-Region-für-die-Region-Konzepte sein, bei denen Produkte aus lokalen Rohstoffen, in lokalen Produktionsstätten von einheimischen Arbeitskräften, mit lokalem Management für den lokalen Markt hergestellt werden. Oder Programme, die es Kleinbauern ermöglichen, von der Subsistenzwirtschaft zum kommerziellen Landbau zu wechseln. Dazu gehören Ausbildungen zur nachhaltigen Produktivitätssteigerung und die Vermittlung und effektive Implementierung globaler Umweltstandards oder Arbeitsmarktregeln. Stimmen die institutionellen Rahmenbedingungen und werden die richtigen Anreize für eine fruchtbare Kooperation von internationalen Unternehmen, Regierungen, NGOs und lokalen Anspruchsgruppen geschaffen, profitiert die lokale Bevölkerung von den Unternehmen und umgekehrt.

Es braucht in jedem Fall ein neues Verständnis dafür, wie sich Wirtschaftsökosysteme entwickeln und wie sie zu Motoren eines nachhaltigen Wachstums werden können. Die verbreitete Ansicht, wonach marktwirtschaftliche und gesellschaftliche Prinzipien unvereinbare Gegensätze sind, hält einer Realitätsprüfung nicht stand und nützt schlussendlich weder der Gesellschaft noch den Unternehmen.

Dr. Philipp Aerni, Direktor des Zentrums für Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit (CCRS), Universität Zürich

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